(9) Kleine Projekte mit großer Wirkung – Die Euregios bauen an Europa

09.06.2021

In diesem Beitrag möchten wir Ihnen die euregio rhein-maas-nord und deren Projekte weiter vorstellen. Die euregio wird von ihren 31 Mitgliedern getragen und arbeitet nach der 2020 erstellten “euregio-Vision 2030. Zu Hause in Europa”. Das übergeordnete Ziel der euregio-Vision ist es, die Grenzhindernisse für Leben, Arbeiten, Studieren und unternehmerische Tätigkeiten in der euregio zu vermindern und die Identität des Gebiets als zusammenhängende Region zu stärken. Mit eigenen Projektinitiativen wie euregio-Xperience und dem GrenzInfoPunkt, aber auch mit den Fördermöglichkeiten des INTERREG-Programms und dem Zusammenbringen der Einwohner setzt sich die euregio dafür ein, dieses Ziel zu erreichen.

Unternehmende Helden über Grenzen hinweg

Horizont erweitern; Copyright: Ton Arts

Gilde Opleidingen in Roermond und das Rhein-Maas Berufskolleg des Kreises Viersen haben diese Initiative gestartet, um Jugendlichen mit großen Lernschwierigkeiten, Schülern und Schülerinnen, die keinen mittleren Schulabschluss erreicht haben oder Anderssprachigen den Zugang zu einem Ausbildungsplatz zu erleichtern. Das Sammeln von Erfahrungen im jeweiligen Nachbarland soll den Horizont der Jugendlichen erweitern und zu ihrer persönlichen Entwicklung beitragen. So soll die Motivation zum Lernen, zum Erreichen eines Schulabschlusses und zum Finden eines Ausbildungsplatzes erhöht werden.

“Konkret werden in diesem Projekt Schülergruppen die Schulen im Nachbarland kennenlernen, mit den dortigen Schülern ins Gespräch kommen und deren Erfahrungen mit Schule und Arbeitsmarkt kennenlernen. Außerdem lernen die Schülerinnen und Schüler einige Ausbildungsbetriebe aus dem Einzelhandel kennen. Dort erhalten sie Führungen und haben die Gelegenheit, Fragen zu stellen. Um auch dem Kundenkontakt im Nachbarland gewachsen zu sein, werden die Schüler zuvor auf diese Exkursionen mit eigens entwickelten Materialien vorbereitet. Dabei geht es unter anderem darum, die Eigenheiten der deutschen und niederländischen Kultur kennenzulernen und einige Sätze in der Nachbarsprache zu erlernen und so Sprachbarrieren abzubauen. Die Lehrer der beiden am Projekt beteiligten Schulen werden ebenfalls ihre Erfahrungen miteinander teilen und daran arbeiten, eine langfristige Kooperation zwischen beiden Schulen aufzubauen,” so Pauline van den Bosch, Beraterin Internationalisierung in der Abteilung für Bildung und Qualität bei Gilde Opleidingen.

E-Autos und E-Bikes grenzüberschreitend aufladen und nutzen

Das Pilotprojekt “SHAREuregio” untersuchte im Rahmen einer Feasibility-Studie die Möglichkeiten für die Etablierung eines euregionalen Carsharing-Systems im Städteviereck Venlo, Roermond, Kreis Viersen und dem Großraum Mönchengladbach. Diese Städte sind verkehrstechnisch insgesamt gut erschlossen. Der öffentliche Personennahverkehr dagegen, insbesondere im ländlichen Raum und auch grenzüberschreitend, ist noch ausbaufähig.

Es gibt viele Grenzpendler und Geschäftsreisende in diesem Gebiet. Aufgrund der eher geringen Distanzen stellt die Reichweite der aktuell verfügbaren reinen Elektrofahrzeuge kein Problem dar. Die Analyse der Ladeinfrastruktur zeigte jedoch deutlich auf, dass insbesondere auf der deutschen Seite nur wenige öffentliche Lademöglichkeiten für Elektrofahrzeuge vorhanden sind. Die Stiftung Limburg Elektrisch hat das Projekt zusammen mit der Fachhochschule Aachen beantragt. Im Rahmen zweier aufeinander aufbauender Workshops wurden Unternehmen und Einrichtungen eingeladen und Chancen einer Implementierung eines elektrischen Carsharing-Angebots vorgestellt und diskutiert. Hierauf aufbauend wurden Lösungsmöglichkeiten für eine nachhaltige Mobilität durch ein elektrisch betriebenes Carsharing-System für sowohl Pkw als auch E-Bikes in der euregio erstellt. „Das Pilotprojekt SHAREuregio hat zu einem INTERREG-Projekt geführt, in dem die euregio rhein-maas-nord als europäisches Testgelände für elektrische Teilautos und Teilfahrräder ausgewiesen wurde. Inzwischen wurden auf europäischer Ebene 40 Teilwagen und 40 Teilfahrräder europaweit ausgeschrieben. Ab 2020 können Unternehmen, Gemeinden und Behörden, die grenzüberschreitende Transporte benötigen, diese gegen eine monatliche Gebühr für einen Zeitraum von 30 Monaten nutzen. Der Kunde wird vollständig betreut; die Autos werden sogar regelmäßig innen und außen gereinigt. Darüber hinaus werden die Autos den Bürgern und Unternehmern auch außerhalb der Bürozeiten zur Verfügung gestellt,” sagt Rogier Huizinga, regionaler Projektleiter von SHAREuregio beim federführenden Partner, der Gemeinde Venlo.

Nachhaltige Mobilität; Copyright: Rogier Huizinga, Gemeente Venlo

Es zeigt sich, dass auch im Programmgebiet der euregio rhein-maas-nord spannende Klein- und Miniprojekte zu finden sind, die die Bürger näher zusammenbringen und die Grenzbarriere verschwinden lassen. Wenn Sie mehr über Projekte aus dieser Euregio erfahren möchten, schauen Sie gerne mal in unserer Projektdatenbank vorbei.

Zum Schluss dieser People to People-Kampagne möchten wir Ihnen noch einmal nahelegen, wie wichtig grenzüberschreitende Zusammenarbeit ist. Auch 60 Jahre nach den Anfängen der europäischen Integration ergeben sich durch die nationalstaatlichen Grenzen weiterhin Hindernisse und Probleme, die durch eine gezielte Zusammenarbeit überwunden werden können. Dies gilt für alle Bereiche, wie z.B. Gesundheitswesen, Energie- und Wasserversorgung, Raumordnung und Verkehr, innere Sicherheit oder Katastrophenschutz – ebenso wie für den grenzüberschreitenden Arbeitsmarkt. Auch die wirtschaftliche und technologische Zusammenarbeit und Umwelt- und Naturschutz sind Themen der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit.

Es ist die grenzüberschreitende Nachbarschaft, die in diesen Klein- und Miniprojekten besonders hervorgehoben wird und gerade deshalb ist es umso wichtiger, diese Projekte mit finanziellen Mitteln zu unterstützen und durchzusetzen. Denn so werden aus Unbekannten Bekannte und Fremde werden plötzlich zu Nachbarn und Freunden.

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