Die niederländisch-deutsche Grenzregion verfügt über eine lange und reiche Textilgeschichte, die sich vom kleinteiligen Hausgewerbe im 16. Jahrhundert bis zur großindustriellen Produktion im 19. Jahrhundert entwickelt hat. Heute jedoch ist die meiste Textilproduktion in Niedriglohnländer verlagert worden, während Fast Fashion die Branche zu einer der weltweit am stärksten verschmutzenden Industrien gemacht hat. Gleichzeitig treibt neue europäische Gesetzgebung den Übergang zu einer kreislauforientierten Textilwirtschaft voran, die von den Produzenten verlangt, zunehmend recycelte Materialien einzusetzen.
Eine große Herausforderung bleibt: Derzeit gibt es keine objektive und unabhängige Möglichkeit zu überprüfen, wie viel recyceltes Material tatsächlich in Textilprodukten verwendet wird. Dies erschwert die Durchsetzung von Vorschriften, ermöglicht Greenwashing und benachteiligt wirklich nachhaltige Unternehmen.
Um diese Herausforderung anzugehen, hat das FiberFact-Projekt zum Ziel, innovative analytische Technologien zu entwickeln, um den Recyclinganteil in Textilien zu messen. Ein grenzüberschreitendes Konsortium aus Fachhochschulen, Industriepartnern und einem Branchenverband aus der niederländisch-deutschen Grenzregion arbeitet zusammen, um Methoden zu entwickeln, die den Prozentsatz recycelter Fasern in einem Textil und deren Herkunft bestimmen können – ob pre- oder post-consumer und ob aus geschlossener oder offener Kreislaufrecycling. Fortschrittliche Datenanalyse, unterstützt durch künstliche Intelligenz, wird für die automatisierte Interpretation der Messergebnisse eingesetzt.
Ziel ist es, die entwickelten Technologien in ein Pilotgerät zu integrieren, das an realen Textilprodukten der Industriepartner getestet wird. Parallel dazu wird das Projekt eine Roadmap für die Markteinführung entwickeln und sich mit Entscheidungsträgern abstimmen, um praktische Anwendung und regulatorische Wirkung sicherzustellen.
Indem der Recyclinganteil messbar und überprüfbar gemacht wird, trägt FiberFact zu verlässlicher Zertifizierung bei, stärkt nachhaltige KMU und fördert eine transparente und kreislauforientierte Textilwirtschaft. Damit positioniert das Projekt die niederländisch-deutsche Grenzregion als führendes Zentrum für grüne Textilinnovation.















