

{"id":44700,"date":"2026-10-08T15:17:04","date_gmt":"2026-10-08T14:17:04","guid":{"rendered":"https:\/\/deutschland-nederland.eu\/?p=44700"},"modified":"2026-10-08T15:17:07","modified_gmt":"2026-10-08T14:17:07","slug":"hoeren-sehen-und-fuehlen-grenzenlose-inklusion-beim-symposium-der-kings-men","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/deutschland-nederland.eu\/de\/hoeren-sehen-und-fuehlen-grenzenlose-inklusion-beim-symposium-der-kings-men\/","title":{"rendered":"H\u00f6ren, sehen und f\u00fchlen: Grenzenlose Inklusion beim Symposium der King\u2019s Men"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong><em>Im Juli fand im Salzsiedehaus in Rheine beim Kloster Bentlage das deutsch-niederl\u00e4ndische Symposium \u201eAll Inclusive\u201c statt. Es wurde vom Theaterensemble King\u2019s Men im Rahmen des Interreg-VI-Projekts Hear! Hear! Shakespeare organisiert. Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand die barrierefreie Gestaltung von Kultur und Theater f\u00fcr Menschen mit Sehbehinderung. Das Symposium bot nicht nur wertvolle Diskussionen, sondern auch sehr kreative und herzerw\u00e4rmende Momente, die zeigten, wie Inklusion in der Praxis funktioniert.<\/em><\/strong><em><\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Sich selbst \u201eskizzieren\u201c: Ein inklusives Kennenlernen<br><\/strong>Gleich zu Beginn des Symposiums wurde ein innovativer, inklusiver Ansatz gew\u00e4hlt. Anstelle der traditionellen Vorstellungsrunde auf Grundlage des Berufs wurden die Anwesenden gebeten, sich anhand ihres Aussehens zu beschreiben. Diese visuellen Selbstbeschreibungen, bei denen die Teilnehmenden ihre Kleidung, Frisur oder auff\u00e4llige Merkmale wie T\u00e4towierungen oder einen Kaffeefleck auf der Kleidung beschrieben, sorgten f\u00fcr eine entspannte Atmosph\u00e4re und brachten besondere, pers\u00f6nliche Geschichten hervor. Diese Methode war zudem \u00e4u\u00dferst passend und funktional: Auf diese Weise erhielten die anwesenden G\u00e4ste mit einer Sehbehinderung sofort ein lebendiges und gleichwertiges Bild der Menschen im Raum.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Die unsichtbare Ver\u00e4nderung im Raum<br><\/strong>Bei einem offenen Publikumsgespr\u00e4ch zwischen Silvia Andringa vom Theaterensemble King\u2019s Men und dem Kabarettisten, Autor und Diversit\u00e4tsberater Vincent Bijlo wurde \u00fcber die spezielle Audioaufnahme gesprochen, die nach der Auff\u00fchrung von Winter Tales entstanden war. Obwohl die Aufnahme mit gro\u00dfer Sorgfalt und viel technischem Aufwand produziert worden war, erwies es sich im Nachhinein als recht schwierig, der Geschichte rein \u00fcber den Ton zu folgen. Der Grund daf\u00fcr war ebenso faszinierend wie logisch: Es fehlt uns schlichtweg die physische Pr\u00e4senz der Menschen um uns herum. Vincent, der selbst blind ist, erkl\u00e4rte auf sehr anschauliche Weise, wie das funktioniert. Er erz\u00e4hlte, dass er es sofort sp\u00fcre, wenn sich jemand von ihm wegbewege; in diesem Moment ver\u00e4ndere sich die Dynamik und Atmosph\u00e4re der Situation grundlegend. Ein Mikrofon kann diese subtilen Verschiebungen im Raum nicht registrieren, aber als Mensch nimmt man diese Ver\u00e4nderung sehr wohl wahr. Das Gespr\u00e4ch machte allen im Saal deutlich, dass Theater eine sinnliche Erfahrung ist, die weit \u00fcber das H\u00f6ren und Sehen hinausgeht: Es geht darum, gemeinsam einen aktiven, sp\u00fcrbaren Raum zu teilen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>In M\u00f6glichkeiten denken<br><\/strong>Yvon Boerman hielt einen inspirierenden Vortrag \u00fcber ihren unerm\u00fcdlichen Einsatz f\u00fcr eine barrierefreie Gesellschaft. In ihrem Alltag ber\u00e4t sie unter anderem das niederl\u00e4ndische Ministerium f\u00fcr Gesundheit, Gemeinwohl und Sport (VWS) sowie verschiedene Kultureinrichtungen zu diesem Thema. F\u00fcr Yvon, die vor sechs Jahren erblindete, war die gr\u00f6\u00dfte Herausforderung damals nicht der Sehverlust selbst, sondern die Suche nach M\u00f6glichkeiten, weiterhin das tun zu k\u00f6nnen, was sie gl\u00fccklich macht. Ihre pers\u00f6nliche Mission ist seither glasklar: nicht die Einschr\u00e4nkungen in den Vordergrund zu stellen, sondern immer in M\u00f6glichkeiten zu denken.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gemeinsam mit ihrem Mann besucht sie beispielsweise nach wie vor gerne das Kino und das Theater. Dies ist dank der Audiodeskription m\u00f6glich \u2013 einer Technik, bei der eine Stimme die Bilder auf der B\u00fchne oder der Leinwand live beschreibt, sodass sie den Auff\u00fchrungen v\u00f6llig selbstst\u00e4ndig folgen kann. Sie berichtete auch von ihren positiven Erfahrungen mit den Auff\u00fchrungen der King\u2019s Men. Durch die Intimit\u00e4t dieses Theaters und die Tatsache, dass sich die Schauspieler buchst\u00e4blich durch das Publikum bewegen, erlebe sie die St\u00fccke dort besonders intensiv, sodass eine Audiodeskription gar nicht erst erforderlich sei.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Kl\u00e4nge, die zum Leben erwachen<br><\/strong>Wie sich dieser Fokus auf das Auditive in der Praxis auf der B\u00fchne widerspiegelt, wurde eindrucksvoll bei einer Live-Szene aus der j\u00fcngsten Inszenierung <em>Winter Tales<\/em> demonstriert. Bei diesem Auftritt lag ein enormes Augenmerk auf allem, was man h\u00f6ren kann. Das Publikum wurde durch das Nachahmen vertrauter Ger\u00e4usche, wie dem Heulen eines Sturmwinds oder dem Rascheln von knisterndem Papier, mitten in die Szene hineingezogen. Genau durch diese starke Betonung von Klang und Atmosph\u00e4re sind die Auff\u00fchrungen der King\u2019s Men so inklusiv: Bei der Konzeption der Szenen wird echte R\u00fccksicht auf Menschen genommen, die nicht oder nur eingeschr\u00e4nkt sehen k\u00f6nnen, wodurch Theater f\u00fcr alle zu einem intensiven Erlebnis wird.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Blick ist inzwischen auch schon auf die Zukunft gerichtet. Das Theaterensemble probt bereits flei\u00dfig f\u00fcr das neue St\u00fcck <em>From Shakespeare with Love<\/em>, das im November Premiere feiert und ebenfalls vollkommen f\u00fcr Menschen mit einer Sehbehinderung geeignet sein wird. Um diese Auff\u00fchrung noch lebendiger zu gestalten, nutzten die King\u2019s Men das Symposium, um aktiv mit blinden G\u00e4sten ins Gespr\u00e4ch zu kommen. Deren pers\u00f6nliche Erfahrungen und wertvolles Feedback dazu, wie sie Theater erleben, flie\u00dfen direkt in die neue Produktion ein.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Juli fand im Salzsiedehaus in Rheine beim Kloster Bentlage das deutsch-niederl\u00e4ndische Symposium \u201eAll Inclusive\u201c statt. Es wurde vom Theaterensemble King\u2019s Men im Rahmen des Interreg-VI-Projekts Hear! Hear! Shakespeare organisiert. Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand die barrierefreie Gestaltung von Kultur und Theater f\u00fcr Menschen mit Sehbehinderung. 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