KLIMA: Gemeinsam die Landwirtschaft von morgen gestalten
Das Wetter wird unberechenbarer. Regenfälle werden heftiger, Dürren länger und die Böden geraten zunehmend unter Druck. In der Eems-Dollart-Region spüren Landwirte das täglich. Wasserüberschuss auf dem einen Feld, Trockenstress auf dem anderen. Gleichzeitig steigen die Kosten, die Vorschriften verschärfen sich und der Druck, anders zu wirtschaften, wächst. Aber wie geht das? Und wo fängt man an?
Das KLIMA-Projekt unterstützt Landwirte und Studierende dabei, diesen Schritt zu gehen — mit praxisnahem Wissen, guten Messinstrumenten und einem Netzwerk von Menschen, die dasselbe wollen: eine Landwirtschaft, die den Boden stärkt statt auslaugt.
Ein lebendiger Boden als Fundament
Ein gesunder Boden ist kein totes Substrat, sondern ein lebendiges Ökosystem. Wurzeln, Pilze, Bakterien und Mineralien arbeiten ständig zusammen. Sie bauen organische Substanz auf, speichern Kohlenstoff und halten bei Trockenheit Wasser. Ein gut funktionierender Boden ist der beste Schutz gegen Klimaextreme.
Dies ist der Kern der modernen Humustheorie. KLIMA übersetzt diese in konkrete Praxis: ganzjährige Bodenbedeckung mit Gründüngern, Untersaat mit Klee und Kräutern, Oberflächenkompostierung, Förderung des Bodenlebens mit Kompostextrakt, minimale Bodenbearbeitung und vollständiger Verzicht auf synthetische Pestizide und Düngemittel. Methoden, die Landwirte jetzt auf ihren eigenen Flächen anwenden können.
Landwirte messen selbst
Eines der innovativsten Elemente von KLIMA sind die Farmer-Science-Tools: einfache, kostengünstige Messinstrumente, mit denen Landwirte und Studierende den Zustand ihres Bodens selbst erfassen — ohne Labor oder externen Berater. Sie messen Wasserinfiltration, Bodenleben, Struktur, pH-Wert und organischen Gehalt, direkt auf dem eigenen Feld.
Diese Messungen fließen in die KLIMA-App ein: ein Open-Source-, KI-gesteuertes Tool, das die eigenen Beobachtungen flächenspezifisch mit europäischen Bodendaten und Satellitenbildern kombiniert. Das Ergebnis: konkrete Empfehlungen für jede einzelne Fläche — kein Durchschnitt, sondern maßgeschneiderte Beratung. Landwirte und Studierende können ihre Messungen auch mit anderen in der Studiengruppe vergleichen und so gemeinsames Wissen aufbauen.
Voneinander und miteinander lernen
Landwirte lernen von anderen Landwirten in Peer-Learning-Studiengruppen, wo Erfahrungen geteilt und Lösungen gemeinsam erarbeitet werden. Studierende absolvieren Praktika auf teilnehmenden Betrieben und arbeiten auf sechs Versuchsflächen in den Niederlanden und Deutschland, wo regenerative Methoden unter realen Bedingungen auf den spezifischen Böden der Region getestet werden: von Sand- und Moorböden bis hin zu Meerestongebieten.
Die Zusammenarbeit ist bewusst zweiseitig. Studierende bringen frisches Wissen und neue Messmethoden mit. Landwirte bringen Praxiserfahrung und ein scharfes Gespür dafür, was wirklich funktioniert. Gemeinsam entwickeln sie Wissen, das nirgendwo sonst so entstehen würde.
Grenzüberschreitend und nachhaltig
Regenerative Methoden wurden größtenteils für andere Klimata und Böden entwickelt. Die Eems-Dollart-Region — mit Meeresklima, Sand- und Moorböden sowie Meerestongebieten — hat eigene Bedingungen. Die grenzüberschreitende Zusammenarbeit zwischen niederländischen und deutschen Landwirten, Bildungseinrichtungen und Wissenspartnern ermöglicht Ansätze, die wirklich zu dieser Region passen.
Lernmaterialien, Tools und die KLIMA-App bleiben nach Projektende als Open Source verfügbar. Vergleichbare Praxistools aus früheren Projekten werden noch Jahre später aktiv genutzt. KLIMA baut auf dieser Tradition auf und schafft eine Wissensbasis, von der auch die nächste Generation von Landwirten und Studierenden profitiert.
KLIMA bereitet die Region auf eine Zukunft vor, in der die Landwirtschaft nicht gegen das Klima kämpft, sondern mit der Natur arbeitet — mit einem lebendigen Boden als Fundament.















